Die Menschen hinter dem Projekt

Wir danken Astrid Staufer, Daniele Zeo, Moritz Holenstein, Andreas Bühler, Steffen Maier, Karina Siglbauer, Selini Demetriou, Kay Sonderegger und Nedi Djokic vom Architekturbüro Staufer + Hasler in Frauenfeld sowie der Landschaftsarchitektin Rita Mettler aus Gossau für das innovative Projekt und die tolle Zusammenarbeit.

Architektur

Ein offenes Zentrum für alle

Dank einer zeitgemässen Interpretation traditioneller Flarzhäuser entstand im Elsauer Dorfkern eine aussergewöhnliche Siedlung. Die Architektin Astrid Staufer vom Büro Staufer & Hasler über die Besonderheiten des Projektes und die Magie des Ortes.

Für die Genossenschaftsüberbauung in Elsau hat die GWG einen Projektwettbewerb ausgeschrieben. Worin lag für Sie der Reiz, daran teilzunehmen?

 

Das Dorf Elsau verkörpert eine Art heile Welt. Die Überbauung mit 33 Wohnungen, in die rund achtzig Menschen einziehen und das Dorfzentrum neu besetzen werden, stellte eine spannende Herausforderung dar. Uns beschäftigte vor allem die Frage, wie sich die heutigen Bedürfnisse an Wohnraum mit den ortsbaulichen Anforderungen in Elsau verbinden liessen, ohne dass der Zauber des Ortes zerstört wird. Neue Wohnungen ähneln einander heute immer mehr, da die Bauherrschaften einheitliche Standards bezüglich Gestaltung und Materialwahl pflegen. Bei der GWG hofften wir, gemeinsam Ungewohntes und Neues ausprobieren zu können…

 

… Was offenbar gelang. Die Wettbewerbsjury, in der auch die Gemeinde Elsau und die Kantonale Denkmalpflege vertreten waren, wählte Ihr Projekt «Flarzett» aus. Rückblickend wird von Liebe auf den ersten Blick gesprochen. Wie erklären Sie sich die grosse Begeisterung für Ihre Eingabe?

 

Wir wünschten uns einen möglichst grossen und für die kollektive Nutzung frei zugänglichen Aussenraum – in Erinnerung an die Allmend, die dort einst war. Eine Lösung für dieses Anliegen bot sich mit der historischen Bauform von Flarzhäusern. Das waren Behausungen für arme Kleinbauern, unter grossen, eher flachen Dächern in kompakten Zeilen zusammengebaut. Man fand sie zuerst in vielen Gegenden des Kantons Zürich, so auch in Elsau, später vorwiegend im Zürcher Oberland. Während andere Wettbewerbsteilnehmende das Baufeld mit kleinen Häusern überstellten, schlugen wir zwei kräftige Flarze mit unterschiedlichen, auch mehrgeschossigen Wohntypen vor; dies ermöglichte erst den grossen, zusammenhängenden Aussenraum. Ein drittes Haus ersetzt nun – als sogenanntes Generationenwohnhaus – das baufällige alte Schulhaus. Wir waren freudig überrascht, als unser Projekt ausgewählt wurde.

 

Worin zeigt sich, neben der Grösse, die Spezialität der Bauweise?

 

Wir stellten uns die Frage, wie sich ein solcher Bautypus zeitgemäss interpretieren liesse. Historische Flarze weisen eine grosse, drei Räume umfassende Bautiefe auf, in deren Mitte oft die Küche mit ihrem Kamin zum Heizen und Kochen lag. Diese Feuerstelle erübrigt sich heute; der Kamin bot sich aber an, um Licht ins Innere der Wohnungen zu bringen. Das Herzstück unserer Neuinterpretation ist also ein Lichtkamin, der Tageslicht in die inneren Bereiche lenkt: auf die Treppen oder in die Badezimmer.

 

Altes und Neues werden in der Konstruktion verbunden. Ist dies auch von aussen sichtbar?

 

Innen sind die Häuser in moderner Sprache gestaltet; von aussen wachsen sie mit der Umgebung zusammen. Auch in ihrer Materialisierung passen sie sich an: Auf massiven Steinsockeln liegen ökologische Holzbauten. Das Steildach ist mit alten Biberschwanzziegeln eingedeckt, die wir von der Denkmalstiftung des Kantons Thurgau erwerben konnten, was mich ganz besonders freut.

 

Archäologische Untersuchungen zu Baubeginn haben gezeigt, dass der Ort bereits im Frühmittelalter besiedelt war. Man hat Spuren sogenannter Grubenhäuser gefunden. Sie bauten auf einer freien Wiese direkt neben der Kirche. Wie waren die Reaktionen im Dorf auf die Überbauung an diesem sensiblen Ort?

 

Das Projekt wurde glücklicherweise gut aufgenommen. Man scheint sich auf die Menschen, die hier einziehen, zu freuen. Mit der Überbauung wird dem Trend der Abwanderung entgegengewirkt, neue Schulkinder werden kommen. Die Aussicht mag teilweise eingeschränkt werden, dafür wird das Dorfleben bereichert.

 

Interview: Katharina Flieger, freie Journalistin

 

FREIE WOHNUNGEN